Männer ticken anders: Was Sie bei der Planung von Angeboten für Männer beachten sollten | SoBeO

Männer ticken anders: Was Sie bei der Planung von Angeboten für Männer beachten sollten

Männer haben häufig andere Interessen als Frauen – egal, ob sie alt oder jung sind. Da über eine lange Zeit überwiegend Frauen in teilstationären und stationären Einrichtungen versorgt wurden, orientieren sich viele Angebote an den früheren Aufgaben der Frauen im eigenen Haushalt. So wird z. B. viel gebastelt und gebacken. Bei der Planung von Angeboten für Männer stellt sich also die Frage, wie diese früher ihren Alltag gestaltet haben. 

Bei den heutigen Senioren waren Männer oftmals die Hauptversorger der Familie. Frauen waren zwar ebenfalls berufstätig, aber oft mit Halbtagsstellen, um noch Zeit für den Haushalt und die Kindererziehung zu haben. Die Aufgabe von Männern bestand eher darin, sich um den Garten zu kümmern, etwas im Haus zu reparieren oder die Straße zu fegen. Viele der heutigen männlichen Senioren hatten Hobbys wie Fußball, Handball, Eisenbahn oder Handwerken. Sie gingen in Gesangsvereine, zum Kegeln oder zu einem Stammtisch. Genau wie die Frauen waren auch die Männer in ihrer Freizeit oftmals sehr aktiv – vor allem im Rentenalter. 

Sind Ihre Angebote männergerecht? 

Mit einem Blick auf die Beschäftigungsangebote können Sie überprüfen, ob diese noch sehr weiblich sind oder ob Sie sich bereits auf die Veränderungen der Geschlechterstrukturen eingestellt haben. Finden Sie dort noch überwiegend Aktivitäten wie Kochen, Backen, Nähen, Stricken, Basteln oder Erzählcafés, könnte es Sinn machen, bei einem der nächsten Teamgespräche zu diskutieren, ob neue, männergerechte Angebote in Ihrer Einrichtung benötigt werden. Vielleicht können Sie das eine oder andere Angebot noch etwas für Männer aufpeppen. 

So machen Sie Ihre Angebote männlicher

Die meisten Beschäftigungsangebote können nur durch eine inhaltliche Veränderung an die Interessen von Männern angepasst werden. Statt eines Gedächtnistrainings zum Thema „Frühling“ oder „Gartenarbeit“ können Sie Themen wie „Fußballklubs“, „Automarken“ oder „Wintersport“ anbieten. Ein befreundeter Psychologe hat mir auf einer Geburtstagsfeier einmal lächelnd gesagt, dass er sich immer freut, dass die männliche Kommunikation so einfach verläuft und man, auch wenn man sich nicht kennt und sich nichts zu sagen hat, trotzdem stundenlang über den Geschmack von Bier und die eigenen Erfahrungen mit verschiedenen Sorten austauschen kann. Das habe ich damals direkt ausprobiert und ein Gedächtnistraining zu diesem Thema angeboten – und siehe da: Alle Männer haben sich angeregt unterhalten und ausgetauscht. Es war ein riesiger Erfolg. 

Das Gleiche können Sie bei anderen Angeboten machen. Sie können etwa eine Aktivierungsrunde rund um das Thema „Werkzeug“ statt „Küchengeräte“ anbieten, ein Rätsel zum Thema „Fußballlegenden“ statt „Blumensorten“, ein ABC-Buchstabenrätsel zum Thema „Fußball“ oder ein Wintersport-Quizz. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist auch bei männerspezifischen Aktivitäten sehr groß und abwechslungsreich.

Herausforderung für weibliche Betreuungskräfte

Da die meisten Betreuungskräfte Frauen sind, war es bisher einfach, passende Angebote zu kreieren, weil eben viele Frauen betreut wurden – untereinander findet man schnell gemeinsame Interessen und stimmige Themen. Für viele weibliche Betreuungskräfte ist es eine Herausforderung, die bisherigen Angebote männlicher zu gestalten. Mal ehrlich: Nicht viele Frauen kennen sich im Bereich „Fußball“, „Handball“ oder „Wintersport“ wirklich gut aus oder haben Lust darauf, sich handwerklich zu betätigen. Da heißt es, im Team genau zu überlegen, wem männliche Angebote liegen und wer Lust hat, sich in diese Themen tiefer einzuarbeiten und sich etwa mit den verschiedenen Regeln im Sport auseinanderzusetzen oder Vogelhäuser zu bauen. 

Männerstammtische für Männer von Männern

Als erster Schritt hinein in die Welt der männlichen Betreuungsangebote haben in vielen Einrichtungen Männerstammtische Einzug gehalten. Eine gute Idee, tauschen sich Männer doch untereinander anders aus als in Gruppen mit Frauen. Die meisten Männerstammtische werden jedoch von Frauen begleitet, wodurch der Effekt, dass Männer unter sich sein können, völlig verloren geht. Deshalb macht es nur Sinn, einen Männerstammtisch anzubieten, wenn dieser auch von einem Mann unterstützt wird. Ohne männliches Personal ist das enorm schwierig. Manche Einrichtungen lösen dieses Problem durch den Einsatz männlicher Ehrenamtler oder Angehöriger, aber auch diese sind nicht einfach zu finden. Deshalb müssen Sie Ihre weiblich geführten Männerstammtische aber nicht auflösen – vor allem nicht, wenn sie das einzige männliche Angebot sind. Seien Sie sich nur der Problematik bewusst, dass die Männer mit einer anwesenden Frau eben nicht unter sich sind und sich an der Frau in der Gruppe orientieren. Auch die Gestaltung von Stammtischen durch Frauen und Männer sind sehr unterschiedlich. Während Frauen sich oft auch hier ein Thema oder ein besonderes Programm überlegen, stellen männliche Kollegen häufig Bier (mit und ohne Alkohol) auf den Tisch, packen ein paar Karten dazu oder legen einen alten Film in den DVD-Player, und los geht’s. Die Männer machen den Rest von ganz allein.

Mann zersägt Holz mit Kreissäge
Männer benötigen andere Beschäftigungsangebote als Frauen © Adobe Stock

Typisch männliche Beschäftigungsangebote

ABC-FußballBei diesem Spiel suchen die Teilnehmer zu jedem Buchstaben des Alphabets einen passenden Begriff aus einem bestimmten Themenbereich. Beim Thema „Fußball“ wären dies z. B.:
- A: Abseits oder Anstoß
- B: Ball
- C: Champions League
- D: Deutscher Meister
- F: Foul 
- usw.

Dasselbe können Sie auch mit Wintersportarten (A: Alpinski, B: Biathlon usw.), Handball oder Automarken spielen.
Biografiearbeit zum Thema „Sport“Alle Fragen drehen sich dabei ums Thema „Sport“, z. B. Fußball:
- „Schauen Sie gern Fußball?“
- „In welcher Position haben Sie gespielt?“
- „Haben Sie selbst gespielt? Wenn ja, wo?“
- „Waren Sie schon einmal in einem Fußballstadion? Wenn ja, wo?“
- „Welcher ist Ihr Lieblingsverein?“
- „“Welche Farben trägt man in diesem Verein?“
- „Kennen Sie noch Fangesänge?“
Sport-Quizz zur LieblingssportartErstellen Sie ein Quizz rund um die Lieblingssportart eines Bewohners, zum Beispiel Fußball:
- Wie viele Mannschaften treten bei einem Spiel gegeneinander an?
- Wie viele Spieler stehen pro Mannschaft auf dem Platz?
- Was ist das Ziel des Spiels?
- Wie lange dauert ein Spiel?
- Welche Aufgabe hat der Mittelfeldspieler?
- Wer darf den Ball mit den Händen berühren?
AktivierungskistenDiese können zu Themen wie „Berufe“, „Sport“, „Werkzeug“ usw. erstellt werden.

Befüllen Sie die Kiste mit verschiedenen, zum Thema passenden Materialien, die zugeordnet, befühlt und verwendet werden können, z. B. Zange, Pinsel, Feilen, Schraubenzieher etc..
SchnitzenSchnitzen Sie aus einem Stück Holz Figuren, ein Weidenpfeifchen oder Untersetzer.

Achten Sie dabei auf das richtige Schnitzmesser sowie das Tragen von Handschuhen.
Eisenbahn aufbauenBauen Sie gemeinsam mit Ihren männlichen Bewohnern eine Eisenbahn auf und lassen Sie diese zusammen fahren.
Münz- oder BriefmarkensammlungViele Männer haben Münzen oder Briefmarken gesammelt und beschäftigen sich auch heute noch mit diesen Themen.

Besorgen Sie alte Münzen und Briefmarken mit entsprechenden Alben – diese gibt es auf Flohmärkten –,sortieren Sie diese und sprechen Sie über die Sammelstücke.
WerkstattEs gibt immer öfter Werkstattprojekte, bei denen Männer eine eigene Werkstatt haben, wo sie Fahrräder oder Alltagsgegenstände reparieren, aber auch mit Holz usw. basteln können.
Casino-NachmittagAuch Männer spielen gern – aber nicht unbedingt „Mensch ärgere dich nicht!“. Ein Nachmittag mit Black Jack, Poker und Roulette bringt etwas Abwechslung.

Gartenprojekte
Bauen Sie gemeinsam ein Hochbeet und Gartenbänke oder reparieren Sie Zäune. Geben Sie den Männern dadurch das Gefühl, gebraucht zu werden.
AusflügeDa Männer andere Interessen haben als Frauen, bieten sich auch andere Ausflugsziele an, z. B. eine nahe gelegene Kneipe, der lokale Fußballverein oder die Pferderennbahn.