Schluss mit Zwangsbespaßung auf Wunsch von Angehörigen | SoBeO

Schluss mit Zwangsbespaßung auf Wunsch von Angehörigen

Mit fachlich fundierten Argumenten und Empathie überzeugen Sie auch fordernde Angehörige.

Sicherlich kennen Sie das auch: Einige Angehörige fordern gut gemeint, aber nicht durchdacht, dass Sie die Mutter oder den Vater in alle stattfindenden Angebote einbeziehen. Sie wissen, dass dies fachlich und menschlich keinen Sinn macht. Schließlich arbeiten Sie zielgruppenorientiert und stellen Ihre Gruppen entsprechend bewusst zusammen. Aussagen wie „Wir bezahlen schließlich für alles genügend Geld, da haben wir auch Anspruch darauf“ machen Gespräche dann noch schwerer.

Mit den folgenden Formulierungshilfen der Übersicht stützen Sie Ihre Argumentation gegenüber solchen fordernd auftretenden Angehörigen und zeigen gleichzeitig Verständnis für deren Sichtweise. Dabei helfen Ihnen zuallererst diese Grundsätze und Haltungen:

  • Zeigen Sie Verständnis für die Lage der Verwandten, die oft mit einem schlechten Gewissen hadern.
  • Bedanken Sie sich für das Interesse an Ihren Angeboten.
  • Stellen Sie Ihre Fachlichkeit in den Vordergrund und erläutern Ihren Standpunkt mithilfe der Formulierungshilfen.
  • Sorgen Sie dadurch für Vertrauen.
  • Vertreten Sie Ihre professionelle Einschätzung und machen Sie nichts, was Sie fachlich nicht vertreten können.
  • Stimmen Sie sich mit Ihrem Vorgesetzten ab und holen sich dessen Rückendeckung.
  • Dokumentieren Sie Konfliktsituationen schriftlich.

Meistens steckt hinter den Anforderungen mehr als eine Kritik an Ihren Entscheidungen und Angeboten. Angehörige wollen ihre Verwandten bei Ihnen gut aufgehoben wissen und das Interesse daran, möglichst alle Angebote auszuschöpfen, ist ja erst einmal sehr positiv. Sie werden sehen, dass Sie mit einer ruhigen und fachlich fundierten Argumentation die meisten Zugehörigen überzeugen können.

Mann mit Eltern auf dem Sofa
Zeigen Sie Verständnis für fordernd auftretenden Angehörigen © Adobe Stock

Diese Formulierungshilfen bieten Ihnen Unterstützung im Umgang mit „fordernden“ Angehörigen

SituationSagen Sie nicht:Sagen Sie lieber:
Frau Schröder besteht darauf, dass ihre an Demenz erkrankte Mutter an allen Bewegungsgruppen teilnimmt. Sie müsse schließlich aktiviert werden, auch wenn Sie manchmal eben keine Lust habe. Daher sollen Sie sich schon ein bisschen vehementer einsetzen.„Frau Schröder, Ihre Mutter schläft währenddessen immer ein, das macht keinen Sinn.“

„Das ist nichts für Ihre Mutter, dafür ist ihre Demenzerkrankung zu weit fortgeschritten.“

„Wir entscheiden, wer woran teilnehmen kann.“
„Frau Schröder, schön, dass Ihnen die Förderung Ihrer Mutter so wichtig ist.“

„Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass diese Gruppe nicht so passend für Ihre Mutter ist. Sie hat Mühe, die Anleitungen umzusetzen. Wir möchten sie nicht demotivieren oder bloßstellen vor den anderen Teilnehmern.“

„Wir integrieren sie stattdessen in die individuelle Sturzprävention.“

„Bitte vertrauen Sie unserer fachlichen Einschätzung.“

„Wir wollen für Ihre Mutter auch das Beste.“
Frau Gerdes möchte, dass Sie ihren Vater zu allen Ausflügen und größeren Aktivitäten mitnehmen. Er wäre schließlich immer gern aktiv und interessiert gewesen und müsse vor die Tür, um so oft wie möglich etwas anderes zu sehen. Deshalb sollen Sie ein Nein nicht immer akzeptieren.„Frau Gerdes, Ihr Vater ist viel zu gebrechlich, um Ausflüge auszuhalten.“

„Er nässt sich permanent ein und muss ständig aufs Klo, wenn wir unterwegs sind.“

„Ihr Vater hat gar keine Lust mitzufahren.“
„Frau Gerdes, wir schätzen Ihre Einschätzung sehr.“

„Es stimmt, Ihr Vater erzählt manchmal von früheren Aktivitäten.“

„Unsere Fahrten kann er jedoch leider aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung nicht mehr wirklich genießen.“

„Er wird dann sehr unruhig und wirkt unglücklich.“

„Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir ihn deshalb nicht zu allen Aktivitäten mitnehmen werden.“

„Alternativ bieten wir ihm immer wieder kürzere Spazierfahrten in der näheren Umgebung sowie andere Angebote an.“
Frau Bertram versteht nicht, dass ihre Mutter oft im Bett liegen und in ihrem Zimmer sein möchte. Sie fordert Sie auf, sie mehr in Gruppenangebote zu integrieren. Im Zimmer werde die Mutter ja ganz depressiv und Sie würden sie völlig vernachlässigen.„Ihre Mutter will halt nicht teilnehmen.“

„In Gruppen wird sie immer laut und beschimpft die anderen Teilnehmer.“

„Schließlich ist Ihre Mutter depressiv, da macht das Aktivieren in Gruppen wenig Sinn.“
„Frau Bertram, wir teilen Ihre Einschätzung, dass sich Ihre Mutter am liebsten zurückzieht.“

„Gruppen mag sie nicht so gern, viel mehr freut sie sich über Einzelaktivierungen und Besuche auf dem Zimmer.“

„Wir bieten ihr immer wieder auch Gruppenaktivitäten an, respektieren aber ihre Selbstbestimmung. Sie freut sich dann über das Angebot, lehnt aber dankend ab.“

„Seien Sie sich sicher, dass wir Ihre Mutter dennoch regelmäßig betreuen und ihr Anregung bieten.“

Falls auch diese Vorgehensweise in Einzelfällen keine Besserung erzielen sollte, sollten Sie auf jeden Fall Ihren Vorgesetzten einbeziehen und notfalls ein Gespräch zu dritt zu der Thematik führen. Angehörige sollten keine Chance haben, mit dem Chef zu drohen oder Sie gegeneinander auszuspielen. Vertreten Sie immer gemeinsam den gleichen Standpunkt und halten Sie sich dann auch verbindlich daran.