So identifizieren Sie Ihre Bewohner mit dem größten Unterstützungsbedarf | SoBeO

So identifizieren Sie Ihre Bewohner mit dem größten Unterstützungsbedarf

Sie werden es kennen: Es gibt in jeder Einrichtung Bewohner, die gern an jedem Angebot teilnehmen, gesellig sind, ihre Bedürfnisse und den Kontakt zu Ihnen einfordern können. Sie sind bei fast allen Angeboten dabei und es fällt leicht und macht Spaß, sich mit ihnen zu beschäftigen. Aber Sie sollten auch die anderen im Blick behalten: jene Bewohner, die nicht um Ihre Aufmerksamkeit bitten, die nicht klingeln können oder sogar ablehnend auf Ihr Angebot reagieren. Dieser Beitrag lenkt den Blick genau auf diese Zielgruppe und hilft Ihnen, keinen zu vergessen.

Gehen Sie die folgende Übersicht im Betreuungsteam durch und legen Sie sich Ihre Bewohnerliste daneben. Nehmen Sie 5 verschiedenfarbige Stifte (für jedes Kriterium eine Farbe) zur Hand und vergeben Sie für jedes zutreffende Kriterium einen farbigen Punkt neben dem Bewohnernamen. Die Auswertung ist simpel: Die Bewohner mit den meisten Punkten gehören zu denen, die Sie am meisten in den Blick nehmen sollten, da sie die meiste Unterstützung benötigen. Die, die keine Punkte haben, nehmen vermutlich ohnehin an vielen Angeboten teil und Sie müssen sich keine Gedanken machen, dass sie zu kurz kommen könnten.

Überlegen Sie dann für jeden Bewohner, welche Unterstützung Sie zukünftig noch gezielter umsetzen könnten, und machen sich entsprechende Notizen – jeder für die Bewohner, die er betreut.

Hinweis: Überprüfen Sie in Ihrer Dokumentation, ob dort der Unterstützungsbedarf korrekt angegeben ist. So könnten Sie noch Punkte für das Begutachtungsinstrument (BI) sammeln und gegebenenfalls den Pflegegrad erhöhen.

Pflegerin redet mit älterer Frau
So identifizieren Sie Ihre Bewohner mit dem größten Unterstützungsbedarf © Adobe Stock

Diese 5 Bewohnergruppen benötigen Ihre Unterstützung und Motivation besonders

1. Bettlägerige Bewohner
mindestens 3-mal wöchentliche Besuche, Kurzaktivierungen und Sinnesanregungen im Zimmer

wenn möglich zusätzlich kurzzeitig in den Rollstuhl mobilisieren für Veranstaltungen

wenn nötig mit dem Bett ans Fenster, auf die Terrasse und zu Angeboten fahren
2. Bewohner, die sich nicht selbst beschäftigen können
regelmäßiges Versorgen mit Materialien zur eigenständigen Beschäftigung, z. B. Zeitschriften, Bücher, Hilfe bei der Bedienung des TV, Handarbeitsmaterial

tägliches Erinnern an Angebote und Abfragen des Interesses

wenn nötig Abholen zu Angeboten
3. Fortgeschritten demenzerkrankte Bewohner
gezielte Angebote zur Erinnerungspflege unter Einbeziehung aller Sinne mehrfach wöchentlich als Einzel- und Kleingruppenangebote

tägliches Einbeziehen in Alltagsaktivitäten wie Wäschefalten, kochen, Schrank einräumen, Blumen gießen

Angebote im Vorübergehen für motorisch unruhige Bewohner, z. B. Spaziergang über den Flur mit Übungen zur Sturzprävention, gemeinsames Singen oder Reimen beim Gehen
4. Zurückhaltende/ablehnende Bewohner
regelmäßiges, aber unaufdringliches Einladen zu Angeboten trotz Ablehnung, z. B. beim Verteilen der Tageszeitung auf ein Angebot aufmerksam machen oder nach dem Kaffeetrinken in das Angebot im Tagesraum direkt einbeziehen

Wichtig: Sie sollten die Selbstbestimmung respektieren und nicht zu Angeboten zwingen.

bei starker Ablehnung Kontaktsuche über Alltägliches: Bringen Sie z. B. den Lieblingstee oder ein Eis im Zimmer vorbei und nutzen dies als Türöffner für ein kurzes Gespräch.
5. Bewohner, die keinen oder kaum Besuch bekommen
Bewohner, die keinen Besuch bekommen, benötigen mehr Aktivierung von Ihnen als jene, die täglich Besuch haben.